06.09.2026

Von Wladimir Kaminer
Russland will den „Frieden“, unbedingt, allerdings zu Wladimir Putins Bedingungen. Doch an der Front sieht es für den Angriffskrieger schlecht aus. Was nun? Das fragt sich Wladimir Kaminer.

In Berlin ist Wahlkampf und beinahe jede Partei versucht neben ihrem Programm mit „Frieden“ zu punkten: Denn „Frieden“ hört sich gut an. Es hörte sich geradezu fantastisch an, missbrauchte man es nicht bloß als hohle Phrase. Genau das passiert aber, wenn man es ohne konkretes Handeln und Verstehen benutzt.

Die mit Wahlplakaten bestückten Straßenlampen in Berlin leuchten vor Frieden. Die eine Partei ist gegen die Verwahrlosung der Hauptstadt und für den Frieden, die andere gegen die Wohnungsnot und für den Frieden. Die dritte möchte dem Klimawandel die Stirn bieten, sie ist außerdem auch noch selbstverständlich für den Frieden. Dieser abstrakte Humanismus wirkt irritierend, er setzt voraus, dass irgendwo an einer anderen Straßenlampe ein Plakat von einer bösen Partei hängen würde, die gegen den Frieden ist. Doch egal, wie hoch man auch klettern würde, auf keiner Straßenlampe findet sich eins für den Krieg.

Auch im Angreifer Land Russland ist übrigens die Mehrheit für den Frieden, 65 Prozent hatten sich laut der letzten im Auftrag der russischen Regierung durchgeführten Umfrage für eine sofortige Beendigung des Krieges ausgesprochen. Die Mikro Partei Jabloko, die sich als Anti Kriegspartei für die russische Parlamentswahl im Herbst positioniert hatte und mit dem schlichten Slogan „Für Frieden und Freiheit“ auftrat, hat auf Anhieb so viel Unterstützung in der Bevölkerung bekommen, dass die Hosen im Kreml nass wurden.

Also musste die Partei in einem schnell gebastelten Gerichtsverfahren von der Wahl ausgeschlossen werden. Heißt es im Umkehrschluss, dass man im Kreml den Krieg will? Natürlich nicht. Sie möchten so schnell wie möglich die Ukraine erobern, die Regierung in Kiew stürzen und die Nato in die Schranken verweisen, gleich danach ist Frieden angesagt.

Die Ukraine ist alles andere als wehrlos

Die Hitzköpfe im russischen Fernsehen, die gefühlt jeden Abend den Einsatz von Atomwaffen beschwören, reden ebenfalls vom Frieden: „Wie lange soll sich dieser unsägliche Krieg noch weiter hinziehen?“ So etwas schreit der Fernsehhahn. „Unsere Männer sterben! Dabei haben wir doch Atomraketen, ein gezielter Abschuss, irgendwo in Europa, wo die ganzen ukrainischen Unterstützer sitzen und am nächsten Tag haben wir Ruhe im Karton! Dann ist Frieden!“ So argumentieren die Hitzköpfe.

Doch inzwischen ist auch dieser Friedensplan vom Tisch, die Ukraine besitzt mittlerweile Langstreckenraketen, die russische Atomkraftwerke oder große Chemiebetriebe sprengen könnten, sollte der Angreifer es mit der Bombe ernst meinen. Die darauffolgende Antwort wäre für Russland nicht hinnehmbar.

Der zweite Friedensplan der Russen, eine großangelegte Mobilisierung im Herbst durchzuführen und eine Riesenarmee in Richtung Kiew marschieren zu lassen, würde große Unruhen in der Gesellschaft auslösen und wäre logistisch nicht machbar.

Der dritte Plan: einen unkonventionellen überraschenden Krieg gegen Europa zu versuchen (siehe die Leipziger Drohne). Doch im fünften Kriegsjahr ist auch Europa schwer zu überraschen. Europa ist wach und auf der Hut. Die Friedenspläne gehen den Russen also langsam aus.

Ganz weit vorn?

Ich gebe kurz zu Protokoll, auch meine Heimat, die Sowjetunion war damals über ihren Friedensplan gestolpert. Wir waren nämlich das friedlichste Land der Erde, das Wort „Frieden“ haben die Kinder in der Sowjetunion gelernt, noch bevor sie „Mama“ aussprechen konnten. „Frieden für die Welt“, diese Plakate hingen an jeder Kaserne, vor jeder Raketenabschussrampe, vergiss die Berliner Wahlplakate. Wir bewachten ganz allein den Frieden auf dem Planeten.

Wir hatten bloß zu wenig Waffen, um den absoluten Frieden zu gewährleisten. Die „kriegstreibenden“ Amerikaner hatten nämlich mehr, sie konnten uns jederzeit angreifen, deswegen gab die Sowjetunion alles Geld für Raketenproduktion aus, damit die Amerikaner gar nicht auf die Idee kämen, uns anzugreifen. Im Nachhinein kann man sagen, diese Politik hatte ihr Ziel erreicht, die Amerikaner haben uns nicht angegriffen. Die Sowjetunion ist ganz von allein unter der Last ihres Friedens zusammengebrochen.

Noch gibt es im Kreml die leise Hoffnung, dass die „kriegstreibenden“ Amerikaner diesmal vielleicht an der Seite der Russen spielen könnten. Anschließend, so die Idee, sollte der amerikanische Präsident seinen Blick wieder auf die Ukraine richten und Druck auf deren Regierung ausüben: Sie sollen sich endlich ergeben. Dieser Friedensplan scheint jedoch unrealistisch, dem Amerikaner ist nach seiner Niederlage gegen den Iran die Puste ausgegangen: Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Es werden also weiter dringend und händeringend konkrete Vorschläge für den konkreten Frieden und für die Zeit danach gesucht.

16.08.2026

Wem der letzte Eintrag zu tendenziell war, sollte Constantin Schreiber einmal zuhören!

13.08.2026

Mit Bildern aus dem Bundesarchiv und der Tagespresse
Nachdem die Menschen in Scharen Ost Berlin verlassen hatten, beschloss die SED Regierung die Segnungen des Sozialismus mit Zwang durchzusetzen.

Die Berliner konnten erst gar nicht glauben, was da vor Ihren Augen geschah.

Nach 65 Jahren, und der längst gefallenen Mauer, erkenne ich bei den Linken und Grünen Parteien heutzutage erneut Tendenzen zur zwanghaften Umsetzung ihrer ideologischen Ziele: Sei es in der Verkehrspolitik, bei den Klima Zielen, beim Wohnungsbau, und der geradezu zwanghaften Unterdrückung von politisch anders denkenden Menschen – das alles natürlich immer zur „Rettung der Demokratie“.

Diese Menschen scheinen zu glauben, dass nur Sie wissen können, was gut für Deutschland ist – und ein blockieren des Alltags der Menschen der Stadt ein legitimes Mittel sei, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen…

In ein paar Wochen sind Wahlen in Berlin. Ich glaube, dass es auch diesmal eine Schicksalswahl wird. Die schwarz rote Koalition ist geschwächt, die AFD verzeichnet auch in Berlin bei den Prognosen erhebliche Gewinne, und das linke Lager träumt von einer rot, rot, grünen Koalition.

Es wird sich der alte Spruch von Henning Westerwelle wohl bewahrheiten, der einst sagte: „Es ist egal was Sie wählen, am Ende regiert immer die SPD“. Das ist nicht das was Berlin nach vorn bringt, und es entspräche vor allen Dingen nicht dem Mehrheitswillen der Wähler dieser Stadt!

Die westlichen Stadtteile werden bei dieser Wahl wohl eher die CDU Wählen, Mitte und Friedrichshain sind in der Hand der Grünen, in östliche Bezirken gibt es vereinzelte Bezirke für die Linkspartei, und vor allen Dingen große Bereiche für die AFD. Da entsteht wieder eine virtuelle Mauer zwischen ost und West…

11.08.2026

Bild: TOONPOOL
Früher erwachte an heißen Sommertagen das Ungeheuer von Loch Ness mit schöner Regelmäßigkeit zu neuem Leben. In den Nachrichten empfahl man dem Publikum den Besuch eines Schwimmbads, und den Genuss von Speiseeis.

Heutzutage wird die Nachrichtenlage von einem Katastrophen Unterton beherrscht, und man muss den Eindruck bekommen, dass alle Menschen einem baldigen Hitzetod entgegenstehen. Auf jeden Fall muss die deutsche Industrie sofort komplett stillgelegt werden, und in den Städten müssen alle Straßen entfernt, und durch Bäume ersetzt werden – um die Stadt Klima resilient zu machen.

Genau in dieser Zeit findet die Tour de France ihren Höhepunkt, und die Radfahrer fahren bei größter spanischer Hitze durch die Pyrenäen, oder die französischen Alpen. Die Leute sterben nicht den Hitzetod, sondern stehen klatschend am Straßenrand und feuern die Fahrer an. Entlang des Weges immer wieder Wohnmobile, wo kaffe gekocht wird, und wo man den Fahrern Wasser reicht.

Viele Luftaufnahmen einer einmalig schönen Landschaft, und doch, ja, auch dieses Jahr hat es viele Brände in Frankreich und Spanien gegeben.

Mein Appel ist der nüchterne Umgang mit dem Klimawandel: gesunde junge Menschen werden nicht gleich sterben, und stecken die Sommerhitze locker weg, ältere Menschen brauchen Rückzugsorte in kühlere Räume! Das Gebot der Stunde ist ein entspannter Umgang mit den Folgen, und vor allen Dingen kein vorschneller Aktivismus mit politischen Forderungen, die dann eh im Herbst in den klimatisierten Regierungsgebäuden wieder in der Schublade verschwinden.

Im Herbst wied Deutschland ganz andere Probleme bekommen….

29.07.2026

Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin trauern viele Menschen, während die Politik streitet, und noch nicht weiß, welche Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen werden müssen. vor dem Brandenburger Tor, und am Tatort im östlichen Tiergarten werden Blumen und Bekundungen abgelegt.